Sommerlager 2017

Nach intensiven Vorbereitungen von den 13 Leiterinnen und Leitern trafen am 15. Juli 33 Kinder zwischen der dritten und neunten Klasse aufeinander und machten sich, angeführt von einem marokkanischen Reiseleiter, auf den Weg nach Schangnau. Mit dabei waren auch zwei junge Männer, Tinu und Bärnu, die sich in Marokko schon sehr gut auskannten. Vom Schangnau aus lag Marokko ganz nahe, in einem Fussmarsch von zwei Stunden erreichte die Schar den Zeltplatz im Sorbachgraben, welcher in der vorherigen Woche bereits aufgebaut wurde. Allerdings war dieser von einer massiven Mauer und einem Wachtturm umgeben, so dass den Kindern keine andere Wahl blieb, als durch den offiziellen Zolleingang nach Marokko einzureisen. Allerdings dauerte die Einreise sehr lange, das Gepäck wurde durchsucht und einzelne Personen sogar «für genauere Abklärungen» in ein anderes Zelt weggeführt. Nachdem alle die Einreise hinter sich hatten, die Zelte bezogen waren, lockte das kühle Nass der Emme die Teilnehmer und schon bald gab es Abendessen. Dabei stellte sich auch der lokale Scheich vor, der uns herzlich willkommen hiess, aber gleichzeitig auch die Regeln für seine Stadt bekannt machte. Gleich am ersten Abend verstiess die Gruppe aber gegen eine der wichtigsten Regeln, sie sangen nämlich gemeinsam Lobpreislieder und ein Leiter erzählte von Apostel Paulus.

 

 

 

Am Sonntagmorgen musste sich die Gruppe etwas überlegen, um sich weiterhin treffen zu können. Unter der Anleitung von Tinu und Bärnu und mit Hilfe des lokalen Bauingenieurs richteten sie sich am Emmeufer Bänkli und eine grosse Feuerstelle ein, wo gleich anschliessend ein Gottesdienst gefeiert wurde. Am Nachmittag bedruckten die Jungschärler ihre Lager-T-Shirts mit Kamelen und den arabischen Schriftzeichen für «Zeltlager», bevor sie sich wieder am Emmeufer abkühlen konnten. Am Abend kam der Bauingenieur vorbei mit der Bitte, ihm zu helfen. Seine Frau sei schwer krank und benötige unbedingt Teebeutel und genügend Wasser, um wieder gesund zu werden. In einem abenteuerlichen Nachtspiel machten sich die Kinder auf die Suche nach den Teebeuteln und versuchten diese am marokkanischen Sicherheitsdienst vorbei zu schleusen.

 

Am Montagmorgen fiel die Gruppe beim Scheich in Ungnade. Sein Geheimdienst fand heraus, dass sie einen Gottesdienst feierten und am Abend angeblich Drogen in die Stadt schmuggelten. Kurzerhand deportierte er die beiden Missionare Tinu und Bärnu in die Wüste. So trennte sich die Jungschargruppe von der älteren Teenagerclub-Gruppe (TC) und machten sich auf den Weg. Während die Älteren mit dem Velo in den Kemmeriboden fuhren und von dort an den Weg zur Hohganthütte unter die Füsse nahmen, kletterten die Jüngeren durch den Wald hinauf und machten sich auf den Weg nach Röthenbach. In Röthenbach fanden die Jungschärler dann auch den erschöpften Tinu und nach einer gemeinsamen Glace kehrten die glücklichen Teilnehmer mit dem Bus zurück nach Eggiwil. Nach dem täglichen Bad in der Emme und den feinen Älplermagronen spielten sie Lotto, bevor Nachtruhe war. Die TC-Gruppe fand in der Hohganthütte Bärnu, der sich dort in Sicherheit brachte und gemeinsam assen sie Znacht. Nach einer kurzen Nacht verliessen sie bereits um 04:00 Uhr in der Früh die Hütte, um bei Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu frühstücken. Danach folgte für die Jugendlichen der Abstieg zum Kemmeriboden und die Rückfahrt auf den Lagerplatz. Zur gleichen Zeit lernten die jüngeren Jungschärler auf dem Lagerplatz Handball spielen, bevor sich die beiden Gruppen beim Mittagessen wiedervereinigten. Am Nachmittag konnten die Kinder in einem Postenlauf verschiedene Kenntnisse in erster Hilfe erwerben und eine kleine Apotheke zusammenstellen. Am Abend stand die Erholung im Vordergrund, bei verschiedenen Wellnessangeboten konnten die Teilnehmer relaxen.

 

Am Mittwochmorgen stand eine Olympiade auf dem Lagerprogramm, bei der die verschiedenen Gruppen gegeneinander antraten und sie die Siegespunkte im Leiterlispiel weiterbrachten. Am Nachmittag erlaubte der Scheich es den Jungscharen, eine Zeltkirche zu bauen, weil er mittlerweile sah, wie ungefährlich die Gäste waren. Am Abend stiess ein weiterer Gast zur Gruppe. Mirjam kam zu Besuch und erzählte uns, von Jesus’ und der Bedeutung seines Todes für die Menschen.

 

Um dem Scheich etwas entgegen zu kommen, beschloss die Gruppe am nächsten Tag in Langnau einen persischen Teppich zu kaufen. Dazu musste aber zuerst der Teppichhändler gefunden werden, welcher wiederum nur gefunden werden konnte, indem die einzelnen Ziffern der Telefonnummer zusammengetragen wurden. Am Abend war erneut Besuch auf dem Lagerplatz, eine Familie, die in Kairo wohnt und in der Mission arbeitet, erzählte von ihrem Alltag und von Ägypten.

 

Am Freitagmorgen stand ein Postenlauf zum Thema Pioniertechnik auf dem Programm, an den einzelnen Posten konnten die Teilnehmer Knoten lernen, Feuer entzünden und mit Kompass und Karte sich orientieren. Am Nachmittag stand erneut ein Geländespiel an, allerdings begann es bereits nach dem täglichen Bad in der Emme zu regnen. Genässt trafen sich die Kinder zusammen mit den Leitern im grossen Essenszelt, dem Sarasani, und starteten mit dem Programm für den Abschlussabend. Allerdings war kaum an ein wirkliches Programm zu denken, zum Regen kam Hagel dazu, das Sarasani stand knöcheltief unter Wasser und die nassen Kleider kühlten die Kinder aus. So entschieden die Leiter, das Znacht in der nahegelegenen Notunterkunft einzunehmen, wo sich alle wieder trocken anziehen konnten uns sich aufwärmten. Anschliessend entschied das Leitungsteam, das Lager einen Tag früher als geplant zu beenden und noch am selben Abend nach Hause zu fahren. Einige Leiter organisierten einen Fahrdienst von freiwilligen Eltern und informierten die daheimgebliebenen über unsere frühere Rückkehr, während die anderen gemeinsam mit den Kindern zu Packen begannen. Innert kürzester Zeit waren die Zelte leer und der Lagerplatz geräumt. Der Lagerabschluss um 20:30 Uhr fand bei schon fast trockenem Wetter statt und ausser den feuchten Habseligkeiten sind keinerlei Schäden entstanden. Trotzdem waren alle froh, die Nacht im warmen Bett zu Hause verbringen zu können.

 

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Eltern und Freuden bedanken, die uns vor, während und nach dem Lager tatkräftig und mit Gebeten und Spenden unterstützten! Ein herzliches Dankeschön auch nach Eggiwil, für die Gastfreundschaft und den wunderbaren Lagerplatz.

 

 

Patrik Baumann